Tag des Endspiels

In der 7. Runde der GRENKE Chess Classic ging es im Vergleich zu den vorherigen Runden deutlich ruhiger zu. In allen Partien entstand ein Endspiel, in dem Weiß einen Vorteil hatte. Fabiano Caruana konnte Viswanathan Anands Verteidigung nicht durchbrechen, Arkadij Naiditsch hatte gegen Michael Adams ein paar bange Momente zu überstehen und letztendlich setzte sich aber Georg Meier gegen Daniel Fridman durch.

Zwischen Fabiano Caruana und Viswanathan Anand stand das Spitzenduell der 7. Runde an. Auf den Doppelschritt des e-Bauern, so eröffnet der Italiener gewöhnlich, wählte der Weltmeister die Najdorf-Variante der Sizilianischen Verteidigung.


Caruana wich von seiner Partie in der 3. Runde gegen Naiditsch ab und schlug einen positionellen Pfad ein. Er eroberte das Feld d5 für seinen Springer, der dem gegnerischen Läufer überlegen war, laborierte aber an einem schwachen Doppelbauer auf der b-Linie. Nach dem Damentausch hatte Weiß ein optisches Übergewicht, doch Schwarz hatte jederzeit genügend Gegenspiel, um das Gleichgewicht zu wahren. Das Remis beschlossen die Kontrahenten nach 43 Zügen. "An einigen Stellen dachte ich, dass irgendwas gehen müsse, doch letztendlich hat Schwarz immer genügend Ressourcen, um das Remis zu halten", fasste Caruana die Geschehnisse zusammen.

Michael Adams und Arkadij Naiditsch trennten sich ebenfalls remis. "Mickey" tat seiner Herkunft alle Ehre und entschied sich mit dem Doppelschritt des c-Bauern für eine Englische Partie. Schnell entstand eine ungewöhnliche Stellung abseits der Theorie.


Adams postierte seinen Läufer im Lager des Gegners auf d6 und verhinderte die Rochade. Naiditsch forcierte auf Kosten der Bauernstruktur den Damentausch, um größeres Unheil zu vermeiden, doch seine Stellung blieb schwierig. Der Engländer versuchte es auf beiden Seiten. Er öffnete den Königsflügel und attackierte den Bauern b6. Der Deutsche verteidigte sich aber bravourös. Sinnbild seiner Strategie war ein optisch deplatzierter Springer auf a8, der den Damenflügel zusammenhielt. Letztendlich gewann Adams die b-Bauern von Naiditsch, doch dessen König und Turm waren inzwischen deutlich aktiver und drohten im weißen Lager zu wüten. Das Material war allerdings derart reduziert, dass das Remis nach 52 Zügen die einzig logische Konsequenz war. "Am Anfang fühlte ich mich unwohl, aber irgendwie funktionierte meine Stellung immer. Als wir das Endspiel erreichten, wusste ich, dass ich das schlimmste überstanden hatte", äußerte sich Naiditsch nach der Partie.


Adams,Michael - Naiditsch,Arkadij [A20]

GRENKE Chess Classic (7), 14.02.2013

1.c4 e5 2.g3 Sf6 3.Lg2 c6 4.d4 e4 5.Sc3 d5 6.Lg5 Sbd7 7.cxd5 cxd5 8.Db3 h6 9.Lf4 g5 10.Le5 Lg7 11.Ld6


11...Sb8?! 11...Sb6! schlug Adams nach der Partie vor und das scheint taktisch zu funktionieren: 12.Sb5 Sc4 13.Sc7+ Kd7 14.Sxa8 Kxd6 und Weiß hat Probleme den Springer auf a8 wieder zu befreien. Der im Zentrum rumirrende schwarze König ist derzeit unantastbar. 12.Sb5 Sa6 13.e3 Da5+ 14.Sc3 Db6 Schwarz forciert den Damentausch, um sich zu entlasten. 15.Dxb6 axb6 16.Sge2 Le6 17.0-0 Td8 18.Sb5 Kd7 19.Sec3 Se8 Hiernach sah sich Naiditsch nah am Ausgleich. 20.La3 Sec7 21.Sxc7 Sxc7 22.Sa4 Sa8 23.f3 f5 24.g4


Fast schon pittoresk diese Stellung. Weiß ist am Drücker, doch irgendwie reicht es nicht. Wahrscheinlich verpasste Adams aber vorher eine bessere Forsetzung. 24...exf3 25.gxf5 fxg2 26.fxe6+ Kxe6 27.Kxg2 Lf8 28.Tf2 Lxa3 29.bxa3 Thf8 30.Tb2 Td6 31.Tab1 h5 32.Sxb6 Sxb6 33.Txb6 Txb6 34.Txb6+ Kf5 35.Txb7 Te8


Letztendlich hat Weiß Material gewonnen, doch Schwarz hat dank seiner sehr aktiven Figuren genügend Gegenspiel. 36.Tf7+ Kg4 37.Tf3 Tc8 38.h3+ Kh4 39.Tf2 Tc3 40.Te2 Txa3 41.Kh2 g4 42.hxg4 Kxg4 43.Kg2 h4 44.Kf2 h3 45.Tb2 Ta8 46.Tb7 Txa2+ 47.Kg1 Te2 48.Td7 Kg3 49.Tg7+ Kf3 50.Td7 Te1+ 51.Kh2 Te2+ 52.Kh1 Te1+ ½-½

Georg Meier kam zu seinem ersten Sieg in Baden-Baden. Gegen Daniel Fridman überzeugte er wieder durch eine hervorragende Eröffnungsvorbereitung, die dieses Mal zu einem vollen Punkt ausreichte.


In einer Katalanischen Partie opferte er einen Bauern für eine in dieser Eröffnung typische Kompensation. Fridman versuchte sich zu entlasten. Er tauschte einige Figuren und gab den Bauern zurück, musste aber im Endspiel gegen das starke weiße Läuferpaar spielen. Meier befand sich aber schon auf der Siegerstrasse. Er gewann Material und besaß zwei verbundene Freibauern. Kurze Zeit nachdem Weiß einen Bauern in eine Dame umwandelte, gab Fridman auf. "Alle guten Dinge sind drei. Nachdem ich in den letzten beiden Partien schon sehr gut oder sogar auf Gewinn stand, musste es heute einfach klappen", meinte ein erschöpfter aber zufriedener Meier nach gut fünf Stunden Spielzeit.


Meier,Georg - Fridman,Daniel [E06]

GRENKE Chess Classic (7), 14.02.2013

1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sf3 Le7 4.g3 Sf6 5.Lg2 0-0 6.0-0 dxc4 7.Dc2 b5 8.a4 b4 9.Sfd2 c6 10.Sxc4 Dxd4 11.Td1 Dc5


12.Sbd2 Das ist ein neuer Zug. Bislang spielte man 12.Le3. Es gibt aber keinen Grund die Dame sofort anzugreifen. Weiß entwickelt sich einfach und stellt seinen Läufer auf b2 auf. 12...Td8 13.b3 La6 14.Lb2 Sbd7 15.Tac1 Ein sehr interessanter Moment. 15...Lxc4 15...Tac8 16.Lf3! gehörte noch zu Meiers Vorbereitung. 16...Sb6?! (16...Df5 17.Se4) 17.Lxf6! Lxf6 18.Se4 mit Initiative ist eine Möglichkeit. 16.Sxc4 Sb6 Schwarz schafft es sich etwas zu entlasten, aber es bleibt immer etwas besser für Weiß. 17.Sxb6 Dxc2 18.Txd8+ Txd8 19.Txc2 Td1+ 20.Lf1 axb6 21.Txc6 Td6 21...Se4 besprachen die Spieler in der Analyse: 22.Txb6 Sd2 23.Tb8+ Lf8 24.Kg2 Txf1? (24...Sxf1 25.a5 Tb1 26.Ld4+-; 24...Sxb3 25.e3±) 25.Td8 mit Gewinnstellung hatte Meier schon bei 16...Sb6 berechnet. 22.Tc4! Td2 23.Ld4 Sd7


24.Le3 So langsam bahnte sich bei beiden Spielern die Zeitnot an. 24.e3 mit der Idee 25.Tc7 ist der Computerzug, doch nach 24...e5 25.Tc7 exd4 26.Txd7 Kf8 27.exd4 Lf6 28.Lc4 Lxd4 29.Txf7+ Ke8 sollte Schwarz genügend Gegenspiel haben. Meier winkte bei dieser Variante auch sofort ab. 24.e4 war ein Vorschlag von Fridman und tatsächlich scheint Weiß nach 24...Lc5 25.Lxc5 bxc5 26.Tc1! Kf8 27.a5 wegen des entfernten Freibauern und der besseren Leichtfigur exzellente Gewinnchancen zu besitzen. 24...Td1 25.Tc8+ Lf8 26.h4 f5 27.Kg2 Kf7 28.Tc7 Le7 29.Lg5 h6 30.Lxe7 Kxe7 31.e3 Kd6 32.Tc4


32...Sc5? 32...Sf6! 33.Txb4 Sd5 und Schwarz hat viel Gegenspiel, das zum Remis ausreichen könnte. Z.B. gewinnt Schwarz nach 34.Td4 Txd4 35.exd4 Sb4 36.Kf3 Sc2 den Bauern zurück. 33.Txb4 Kc7 34.g4 g5 35.hxg5 hxg5 36.gxf5 exf5 37.Tb5 Tb1 38.b4 Sxa4 39.Txf5 Txb4 40.Txg5 Weiß hat einen zwei verbundene Freibauern. Das muss gewonnen sein. 40...Sc3 41.f4 Kd6 42.Kf3 Tb1 43.Ld3 Td1 44.Lc4 Th1 45.Te5 Tb1 46.e4 b5 47.Ld3 Tb2 48.Tg5 b4 49.e5+ Kc5 50.e6+ Kd6 51.Lc4 Tb1 52.Te5 Ke7 53.f5 b3


54.f6+! Weiß holt sich eine Dame. 54...Kxf6 55.e7 Kxe5 56.Ld3 Tc1 57.e8D+ Kd5 58.Dd7+ Ke5 59.Dc7+ Kd5 60.Dc4+ 1-0

Die 8. Runde findet am Freitag den 15. Februar um 15 Uhr statt.
Die Paarungen lauten:

Daniel Fridman - Michael Adams
Arkadij Naiditsch - Fabiano Caruana
Viswanathan Anand - Georg Meier

Im Elo-Open stand die vorentscheidende 8. Runde auf dem Programm. Etienne Bacrot rang Ruben Felgaer nieder und übernahm mit 6,5 Punkten die Tabellenführung. Zu Siegen kamen auch Parimarjan Negi gegen Viorel Iordachescu und Tornike Sanikidze gegen Alexandr Karpatchev. In der letzten Runde kommt es am Spitzenbrett zum Duell zwischen Sanikidze und Bacrot. Chancen auf den Turniersieg besitzen zudem Negi und Felgaer. Alle Informationen zum Elo-Open erfahren Sie unter diesem LINK.

Bericht und Fotos: Georgios Souleidis