Anand meldet sich zurück

Die 5. Runde der GRENKE Chess Classic stand ganz im Zeichen von Viswanathan Anand. Der Weltmeister besiegte Arkadij Naiditsch und stellte den Anschluss zur Spitze wieder her. Die zwei restlichen Partien endeten remis. Viswanathan Anand war nach seiner Partie gegen Arkadij Naiditsch im Vergleich zu den vorherigen Tagen kaum wiederzuerkennen. In der Pressekonferenz mit dem englischen Kommentator Lawrence Trent sprudelten die Varianten nur so aus ihm heraus und er war offensichtlich erleichtert, endlich seine erste Partie bei der GRENKE Chess Classic gewonnen zu haben.

In einer Spanischen Partie, in der Anand mit Weiß einem Theoriekampf in der Berliner Verteidigung aus dem Wege ging, entstand nach 15 Zügen eine geschlossene Struktur.


Der 43-jährige Inder wies nach, dass er die Trümpfe in der Hand hatte. Er postierte einen schönen Springer auf c4, besaß Raumvorteil und den besseren Läufer. Der Deutsche befand sich nun auf der Suche nach Gegenspiel. Er preschte am Königsflügel vor, doch statt eines vermeintlichen Angriffs ging schnell eine Figur abhanden. "Eigentlich wollte ich ruhig weiterspielen, doch wenn ich eine Figur nehmen kann, dann nehme ich sie", meinte der Weltmeister nach der Partie lapidar. In der Tat war von einem Angriff gegen den weißen König nichts zu spüren und nach 38 Zügen stellte Naiditsch seine Bemühungen ein.

Anand,Viswanathan - Naiditsch,Arkadij [C65]
GRENKE Chess Classic (5), 11.02.2013

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 Sf6 4.d3 d6 5.c3 Le7 6.Sbd2 0-0 7.Sf1 Te8 8.Sg3 Lf8 9.0-0 Ld7 10.h3 h6 11.Te1 Se7 12.Lxd7 Dxd7 13.d4 Sg6 14.c4


14...c5 Strategisch eine interessante Entscheidung. Schwarz schließt das Zentrum ab und nimmt Raumnachteil in Kauf. Außerdem besitzt er den schlechteren Läufer. Anand wies nach der Partie auf 14...exd4 15.Dxd4 b5 als mögliche Alternative hin. 15.d5 b5 16.cxb5 Dxb5 17.Dc2 Weiß fordert jetzt das Feld c4 für seinen Springer ein. 17...Sd7 18.Sd2 Sf4 19.Te3 g6 20.a4 Da6 21.a5 Tab8 22.Sc4 Tb4 23.b3


23...Teb8 23...Sb6 war interessant, um die Position des starken Springers auf c4 zu unterminieren. 24.Sa3 [24.Sb2 (24...Sbxd5?! 25.exd5 Sxd5 26.Td3 Td4 27.Txd4 cxd4 28.Ld2± Anand) 24...Sa8!? mit der schönen Idee den Springer über c7, b5 nach d4 zu überführen, ist total unklar.] 24...Sa8!? (24...Dxa5?! 25.Ld2 Da6 26.Lxb4 cxb4 27.Dc6 Tc8 28.Db5± Anand) mit ähnlichen Ideen ist auch nicht klar. 24.Ld2 T4b5 25.Ta3 h5 Laut Anand ungenau, da es die schwarze Stellung weiter schwächt. Falls Schwarz still gehalten hätte, wäre sein Plan gewesen, sehr langsam zu spielen - Kh2, Sf1, g3, Kg2, Sh2 usw. 26.h4 Sf6 27.Sf1


27...Lh6? Erst das ist aber ein klarer Fehler, weil nach 28.Te1 die Drohung 29.g3 sehr problematisch ist für Schwarz. 28...Kh7? Naiditsch ist sehr konsequent, aber das Figurenopfer funktioniert nicht. 29.g3+- Dc8 30.f3 Dh3 30...Sh3+ 31.Kg2 Lxd2 32.Sfxd2+- 31.gxf4 Der Rest ist Agonie. 31...Dxf3 32.Dd1 Dh3 33.fxe5 Txb3 34.Txb3 Txb3 35.exf6 Tf3 36.De2 Lxd2 37.Scxd2 Tf4 38.Dh2 1-0

Georg Meier und Michael Adams trennten sich remis.


Die Eröffnungsphase lief eindeutig zugunsten von Meier, der Adams mit einer früher Neuerung in einer Variante der Katalanischen Partie überraschte. "Das kannte ich alles überhaupt nicht", meinte der Engländer im Anschluß und war sichtlich froh mit einem blauen Auge davongekommen zu sein. Im 14. Zug stand die kritische Stellung auf dem Brett. Anstatt die einfache Rochade zu wählen, um den König in Sicherheit zu bringen und seinen Eröffnungsvorteil in das Mittelspiel zu übertragen, ließ sich der Deutsche auf ein Endspiel ein. Das sah wegen des Läuferpaars zwar optisch besser für ihn aus, doch im Endeffekt sollte es sich als zu wenig erweisen. Das Remis wurde per Zugwiederholung im 35. Zug besiegelt. "Ich bin enttäuscht. 15.0-0 habe ich natürlich gesehen, aber ich dachte ich hätte auch im Endspiel Vorteil. Adams zeigte eindringlich, dass das nicht stimmte", äußerte sicher Meier in der Analyse.


Meier,Georg - Adams,Michael [A40]

GRENKE Chess Classic (5), 11.02.2013

1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.g3 d5 4.Sf3 Lb4+ 5.Ld2 Ld6 6.Sc3 0-0 7.Lg5 Schon im 7. Zug überraschte Meier seinen Gegner mit einer Neuerung. Die Drohung ist klar, 8.cxd5. 7...c6 8.Lg2 Sbd7 9.e4 dxe4 10.Sxe4 Lb4+ 11.Sc3

 


Meiers Analyse ging bis hierhin. Weiß ist deutlich besser entwickelt, hat etwas Raumvorteil und dementsprechend steht er etwas besser. 11...Da5 12.Ld2 e5 13.a3 Lxc3 14.Lxc3 Da6


Die kritische Stellung. 15.Sxe5 15.dxe5? Dxc4 16.exf6? geht gar nicht wegen 16...Te8+ 17.Kd2 Sc5-+;
Nach 15.0-0! Dxc4 (15...exd4 16.Dxd4±) 16.dxe5 Sd5 17.Ld4± steht Weiß deutlich besser. Er hat das Läuferpaar, mehr Raum und Schwarz ist nicht gut entwickelt. 15...Sxe5 16.dxe5 Dxc4 17.Dd4 Dxd4 18.Lxd4 Td8 19.Td1 Sd5 20.0-0


In diesem Endspiel hat Weiß einen Minivorteil, aber nach weiteren Ungenauigkeiten von Weiß konnte Schwarz schnell ausgleichen und das Remis nach 35 Zügen erzwingen. ½-½

Die Partie zwischen Fabiano Caruana und Daniel Fridman verlief ähnlich.


Der Deutsche hatte mit Schwarz eine lange Variante der Russischen Verteidigung mit seinem Sekundanten Konstantin Landa sehr gut vorbereitet. Bei heterogenen Rochaden sah alles nach einem schönen schwarzen Angriff aus, doch der Deutsche ging auf Nummer sicher. Anstatt einen Bauern zu opfern und den Angriff aufrecht zu erhalten, tauschte er die Damen und forcierte ein Endspiel, das beiden Seiten keine Chance auf den vollen Punkt gab. Die Kontrahenten einigten sich nach 34 Zügen auf unentschieden. Daniel Fridman äußerte sich wie so häufig mit einer Prise Humor: "Wenn es die letzte Runde gewesen wäre, hätte ich alles auf eine Karte gesetzt, aber so bin ich sehr zufrieden. Die erste Hälfte lief fast problemlos für mich, nur gegen das Monster in der 4. Runde hatte ich eine halbverlorene Stellung."


Caruana,Fabiano - Fridman,Daniel [C42]

GRENKE Chess Classic (5), 11.02.2013

1.e4 e5 2.Sf3 Sf6 3.Sxe5 d6 4.Sf3 Sxe4 5.Sc3 Sxc3 6.dxc3 Le7 7.Le3 Sc6 8.Dd2 0-0 9.0-0-0 Se5 10.h4 c6 11.Kb1 Da5 12.Sxe5 dxe5 13.Lc4 b5 14.Lb3 Dc7 15.Lg5 a5 16.Lxe7 Dxe7 17.a4 Tb8 18.axb5


18...a4! Das ist alles noch Vorbereitung und zwar vom gleichen Tag. Im Gegensatz zu den vorherigen Runden, in denen hauptsächlich Caruana seine Gegner überraschte, läuft es dieses Mal andersherum. 19.Lc4 (19.Lxa4?? Da7-+; 19.La2 Txb5 mit starkem Angriff.) 19...cxb5 Die Stellung ist eigentlich schlecht für Weiß und deswegen hat das Team Fridman/Landa das auch nicht weiter angeschaut, denn wenn man so eine Stellung am Brett erhält, geht man davon aus, den Rest selber zu finden. 20.La2 b4 21.cxb4 Txb4 22.Dd6


22...Dxd6 Das Sicherheitsdenken überwog und auch Landa zeigte sich nicht unbedingt zufrieden mit dem Spiel "seines Schützlings".  22...Db7! gibt Schwarz Angriff gegen den weißen König. Fridman fürchtete sich ein wenig vor 23.Dxe5 a3 24.b3 (Nach 24.Ld5 Txb2+ 25.Ka1 Db6 kann nur Schwarz auf Gewinn spielen.) 24...Le6 aber hier hat Schwarz sehr gute Kompensation, da der weiße Läufer abgesperrt ist. 23.Txd6 Hiernach verläuft das Spiel schnurstracks Richtung remis, das nach 41 Zügen beschlossen wurde. ½-½

Am Dienstag ist der erste und einzige Ruhetag im Großmeisterturnier. Mit der 6. Runde geht es weiter am Mittwoch den 13. Februar um 15 Uhr.

Die Paarungen lauten:

Daniel Fridman - Arkadij Naiditsch
Viswanathan Anand - Michael Adams
Georg Meier - Fabiano Caruana


Heute endete das Chess Classic Fasching, das Teil des Rahmenprogramms war. Das Turnier, das über drei Tage ging, gewann die russische Damengroßmeisterin Vera Nebolsina vor GM Mikail Ivanov und Jonas Reimold.

Im Bild vlnr: Christian Bossert, Mikail Ivanov, Vera Nebolsina, Jonas Reimold, Dr. Markus Keller
Im Bild vlnr: Christian Bossert, GM Mikail Ivanov, WGM Vera Nebolsina, Jonas Reimold, Dr. Markus Keller

Unter diesem LINK finden man die Ergebnisse und die Tabelle.

Im Elo-Open sind fünf Runden absolviert. Hier teilen sich gleich fünf Spieler mit vier Punkten die Führung, unter ihnen der Favorit Etienne Bacrot. Da das Turnier relativ zur Teilnehmerzahl sehr stark besetzt ist, wird es in der Spitze in den letzten Runden nur zu interessanten Großmeisterduellen kommen. Die Partien des Elo-Opens können sie unter diesem LINK nachspielen.


Bericht und Fotos: Georgios Souleidis